Zahnarztangst und Angstpatienten – MDR Fernsehen bei Zahn & Art

Ein Zahnarztbesuch ist für niemanden angenehm. Bei dem einen erzeugt der Zahnarztbesuch ein mulmiges Gefühl, doch bei anderen steigert sich die Zahnarztangst bis zur puren Zahnarztphobie. Angstpatienten beim Zahnarzt – das MDR Fernsehen fragte nach: (Der Beitrag „Wenn aus Angst vorm Zahnarzt die Vorsorge vernachlässigt wird“ erschien am 2. März 2016 im MDR Fernsehen.)

Wie viele Menschen leiden unter Zahnarztangst?
Eine Forsa Studie im Jahr 2009 ergab, dass von 1.000 Befragten 19% bei jedem Zahnarztbesuch und weitere 25% nur bei größeren Eingriffen Angst vor dem Zahnarzt haben.

Was sind die Gründe für eine Zahnarztphobie?
In den meisten Fällen ist die Ursache ein traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit und nicht selten eine schmerzhafte Behandlung im Kindesalter. Diese negativen Erfahrungen haben sich im Gedächtnis eingebrannt. Andere haben Angst vor einem Kontrollverlust vergleichbar mit Flugangst, einige scheuen die Gebissabdrucknahme, weil sie befürchten zu ersticken oder von einem starken Würgereiz übermannt zu werden und die Körperbeherrschung zu verlieren.

Welche Folgen hat das jahrelange „nicht zum Zahnarzt gehen“ für die Zähne?
Das Meidverhalten wirkt sich sehr schädlich für die Zähne aus, Löcher in den Zähnen werden größer, Entzündungen an den Wurzeln schlimmer. Angst und Scham wachsen. Für die betroffenen Patienten wird es immer schwieriger, diesem Teufelskreis zu entkommen.

In welchem Zustand kommen Angstpatienten zu uns?
Angstpatienten kommen häufig über unsere Notfallsprechstunde zu uns, weil die Schmerzen unerträglich geworden sind. Nicht selten müssen Zähne gezogen werden. Umfangreiche „Sanierungsmaßnahmen“ sind erforderlich.

Wie erleben wir Angstpatienten?
Diesen einen Typen „Angstpatient“ gibt es nicht – zumindest nicht nach unseren Erfahrungen. Ein Teil hat großen Redebedarf und befreit sich von der jahrelangen Last durch Offenbarung und Gefühlsausbrüche – nicht selten fließen Tränen. Dafür haben wir vollstes Verständnis. Immerhin haben diese Patienten es zurück auf den richtigen Weg geschafft. Andere bekommen kein Wort heraus und wollen alles so schnell wie möglich hinter sich bringen. Sie nehmen den letzten Mut zusammen und kommen zum vereinbarten Termin.

Wie nimmt man Angstpatienten die Angst?
Grundlage für ein gedeihliches Arzt-Patientenverhältnis ist das Vertrauen. Vorwürfe helfen wenig. Vielmehr versuchen wir, die Wünsche und Grenzen der Patienten zu ermitteln, um eine bestmögliche Behandlungsstrategie zu entwerfen. Es klingt zwar abgedroschen, aber wenn wir „zuhören“ und dem Patienten vermitteln können, dass er in guten Händen ist, beruhigt das in den meisten Fällen.

Welche Therapie-Möglichkeiten gibt es?
Kleine Erfolgserlebnisse und positive Erfahrungen für den Patienten helfen oft, die Zahnarztangst zu kontrollieren. In den Fällen, wo starke Schweißausbrüche, Herz-Rasen, , , Schwindel usw. nicht besiegt werden können, besteht die Möglichkeit der Behandlung mit Beruhigungstabletten, sedierenden Maßnahmen einzuleiten oder Behandlungen im Dämmerschlaf  bis hin zur Behandlung in Vollnarkose (ITN) durchzuführen.
Eine parallel stattfindende Gesprächstherapie ist in jedem Fall bei starker Zahnarztphobie angeraten.

Auch hat sich die Zahnmedizin in den letzten Jahren fortschrittlich entwickelt. Spritzen werden immer kleiner. Modernste Medizintechnik ermöglicht uns, auf herkömmliche Abdruckverfahren zu verzichten und stattdessen digitale Abdrücke mit einer speziellen Kamera durchzuführen, wo kein Würgereiz zu befürchten ist.

Bei (nahezu) zahnlosen Patienten ist die Behandlung nach dem sogenannten All on 4 Konzept von Vorteil und eine Sofortversorgung mit Zahnersatz auf 4 oder 6 Zahnimplantaten möglich. Dies verhindert lange Einheilphasen und vermeidet das Tragen von herausnehmbarem Zahnersatz.

Wer trägt die Kosten für die „Komplettsanierung der Zähne“? Stichwort: kein gepflegtes Bonusheft
Die Kassen leisten nur den Beitrag in Form der Regelversorgung. Ästhetisch hochwertiger Zahnersatz auf Zahnimplantaten muss aus eigener Tasche finanziert werden. Eine gute Zahnzusatzversicherung deckt einen Großteil der Kosten ab, wobei das Kleingedruckte sehr sorgfältig gelesen werden sollte. Gern werfen wir vor Vertragsabschluss einen Blick auf das Versicherungsangebot und den Zahnzusatztarif.

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